21. April 2022

Indien und Slow Fashion. Wie gehts das denn?!

Marie liest das Buch "Fashion Changers" auf ihrem Skateboard.

Dahinter steckt viel mehr, als man ursprünglich vermuten würde. Bei „bleib sauber!“ in Potsdam findet ihr Mode, die fair und nachhaltig produziert wurde – vom ersten Faden bis hin zur Textilverarbeitung. In allen Produktionsbereichen wird bei den Kleidungsstücken auf Transparenz geachtet. Aber trotzdem lassen Labels in Indien, Pakistan oder gar Bangladesch produzieren. Wie ist das möglich?! 

Ein Bindfaden dient als Symbol für den Leitfaden des heutigen Magazinposts.

In diesem Magazinpost erfährst Du:

  • Welchen Weg ein T-Shirt bereist 🎯
  • Warum sich Indien (und andere Länder) sogar sehr gut als Produktionsland eignen 🧵
  • Was wir besser machen können ✅
  • Warum Kreislaufwirtschaft so wichtig für Mode ist ♻️
  • Warum wir nicht alles zurücknehmen ⃠

Fashion Revolution

Wir befinden uns mitten in der Fashion Revolution Week. Eine Woche, in der wir auf die großen Differenzen in der Fast Fashion Industrie aufmerksam machen. Und da gibt es tatsächlich einige. Menschenunwürdige Arbeitsplätze, Arbeitszeiten die 12 Stunden weit überschreiten oder Gehälter, von denen wir uns hier nicht einmal ein T-Shirt leisten könnten. Und all das ist nur der Anfang. Grund genug also, sich bewusst zu machen, warum es so wichtig ist, nachhaltig und fair produzierte Mode zu konsumieren. 

Die Wege des Shirts 

Ein T-Shirt reist oftmals mehrere tausend Kilometer, bevor wir es in unseren Kleiderschrank hängen können. Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen der Produktion eines fairen und eines nicht fairen Shirts. Und zwar ist das die Lieferkette. Bei der Produktion eines T-Shirts, welches unter fairen Bedingungen produziert wird, stammt die Bio-Baumwolle aus der Region. Wird dort gewaschen und verarbeitet. Das kann bei Fast Fashion Labels mitunter anders sein! So kommt die Baumwolle zum Beispiel aus den USA, produziert wird jedoch in Indien. Der ökologische Fußabdruck ist dann viel höher. Die Arbeitsbedingungen sind darin natürlich nicht enthalten! Es geht also darum, ein Kleidungsstück durch geringere Lieferketten im Fußabdruck zu verringern. 

„Und warum genau Indien?“

Ist eine Frage, die uns im Laden oft gestellt wird. „Das ist doch dann aber garnicht mehr nachhaltig!“ folgt darauf dann meistens. Wir können mit bestem Wissen und Gewissen sagen: Es ist auf jeden Fall nachhaltiger. Und das genau aus dem Grund, den wir weiter oben bereits kurz angerissen haben. Den größten Marktanteil an Baumwolle hat nach wie vor Indien. Denn dort wird sehr viel von dem „weißen Gold“ abgebaut. Und dort kann es auch direkt weiter verarbeitet werden. Das spart zum Einen nicht nur Kosten, die sich dann auch auf die Konsument:innen auswirken, sondern auch CO2 und wertvolle Ressourcen. Der essentielle Unterschied ist dabei aber das „Wie“! Bei der Produktion von Bio-Baumwolle wird wesentlich weniger Wasser benötigt. Außerdem findet die Weiterverarbeitung und letztendlich die Herstellung des Kleidungsstückes in zertifizierten Fabriken statt. Das bedeutet, dass Mitarbeitende dort einen festen Arbeitsvertrag, oftmals sogar Sozialversicherungsleistungen und ein solides Grundeinkommen erhalten.

Andere können es schon besser!

Das spanische Label „SKFK“ zum Beispiel liegt in seinen Sustainable Business Development Requirements transparent ihre Firmenphilosophie offen. Darin steht unter anderem auch: „(…) Customer shall have the right to interview workers if needed.“ Kunden haben also das Recht, mit den Arbeiter:innen in Indien in Kontakt zu treten! Ein wichtiger Schritt in Richtung Fair Fashion.

Was können wir besser machen?

Trotzdem gibt es noch immer Luft nach oben! Wir haben mit unserem Einkaufsverhalten die Möglichkeit, unser Konsumverhalten nachhaltig zu beeinflussen. Denn wir sollten uns nach wie vor bewusst vor Augen halten, dass wir uns nicht nachhaltig konsumieren können. Aber wir können uns darin ändern, bewusster und achtsamer zu kaufen. Wir stehen außerdem für eine gute Beratung. Und genau das ist es auch, was wir unseren Kund:innen mit auf den Weg geben: Ein bewusst ausgesuchtes Lieblingsteil, das lange getragen wird, ist nachhaltig! Weitere Alternativen sind zum Beispiel auch Labels, die recycelte Produkte anbieten.

Slow Fashion und die Kreislaufwirtschaft 

Egal ob recyceltes PET oder Jeans, die mit recycelter Baumwolle zu einem neuen Leben finden: Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft ermöglichen es uns mittlerweile, auf Rohstoffe zu verzichten, die in der Produktion eingespart werden können. Denn das schont die Umwelt und ermöglicht es, Lieblingsteilen ein weitgehend neues Leben zu ermöglichen. Gerade im Baumwoll-Bereich wird aktuell sehr stark an erneuerbaren Alternativen gearbeitet. Und auch hier ist die perfekte Lösung noch nicht gesetzt, ein gelungener Anfang aber bereits gefunden! So bietet Knowledge Cotton in der aktuellen Collection eine Jeanshose an, die zum Teil aus recycelter Baumwolle hergestellt wurde! Das spart Wasser und Ressourcen. pinqponq verarbeitet in den Rucksäcken und Hip Bags Plastikflaschen und A-Dam verarbeitet in ihren Socken Fischernetze aus dem Meer. All das sind natürlich Verfahren, die relativ aufwendig in der Umsetzung sind. Aber sie geben uns die Möglichkeit, einen nachhaltigen Lebensstandard zu ermöglichen! 

Übrigens: Slow Fashion und die Rückgabebedingungen 

Marie liebt ihre Kleidung aus ihrem Laden "bleib sauber!" in der Potsdamer Innenstadt. Teile davon wurden ebenfalls in Ländern wie z.B. Indien hergestellt.

Auch bei uns gibt es von Zeit zu Zeit Kleidungsstücke, die wir zu reduzierten Bedingungen an unsere Kund:innen abgeben. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass wir den Platz im Lager für neue Ware benötigen. Wir sind jedoch der Überzeugung, dass man Kleidung mit gutem Wissen und Gewissen kaufen sollte. Aus diesem Grund nehmen wir zum Beispiel reduzierte Kleidung nicht zurück.

Und auch bei einem Umtausch setzen wir auf einen Gutschein. Denn das Geld ist in nachhaltiger Kleidung sehr gut investiert und unsere Kund:innen können sich dann ein Teil aussuchen, was noch besser zu ihnen passt. Wenn ein Kleidungsstück unerwartet einen Fehler aufweist, dann lassen wir es bei der Schneiderin unseres Vertrauens reparieren. Anstatt es an das Label zurückzusenden, setzen wir auf einen res­sour­cen­scho­nenden Umgang mit der Kleidung. Denn wir sind uns bewusst, dass für jedes Teil Arbeitskraft und wertvolle Güter verloren gehen. Das fertig reparierte Teil bekommt dann genau das Leben, das es auch verdient.

Fazit 

Es ist nicht immer schlecht, wenn Kleidungsstücke in Indien, Bangladesch oder Pakistan hergestellt werden. Im Gegenteil: Die dort ansässigen, fairen Produktionen sind sehr berüchtigt für ihre Qualität und die hohen Standards! Außerdem ist es sinnvoll, Arbeitsplätze von nicht fairen in faire Bedingungen umzuwandeln! Es macht auch aufgrund der Lieferkette Sinn, die Produktionen in den dortigen Standorten zu belassen. Gefährlich wird’s erst dann, wenn wir nicht bewusst einkaufen: Wir empfehlen daher immer, vor dem Kauf eine Beratung bei uns in Anspruch zu nehmen und die Kleidung gut zu pflegen. Denn es geht darum, Dir dein Lieblingsteil mit auf den Weg zu geben. Und das darf Dich gerne viele Jahre hinweg begleiten! 

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